“Global Trends – Die Sprache im Fluchtgepäck”

Feature-Lesung und Sound-Performance zu Flucht und Exil, damals und heute

“Wir hatten einen Weg gefunden, der hätte über das Meer gehen müssen, aber derjenige, der das organisiert hat, hat gesagt, wenn eine Frau dabei ist, wird er das nicht machen, weil es dann häufig zu Vergewaltigungen kommt.”

Gülay, Anfang 20, hat Deutschland erreicht. Die Feature-Lesung spannt den Bogen von Frauen, die aktuell nach Deutschland geflohen sind hin zu Exil-Schriftstellerinnen, die in den dreißiger Jahren Deutschland verlassen mussten. Untermalt wird die Lesung durch Querflötenmusik mit Stücken von Exil-Komponisten.

 

Resi Heitwerth hat sich mit zwei türkischen Frauen über ihre ganz persönliche Situation und ihr Leben vor, während und nach der Flucht unterhalten. Diese Originaltöne verbindet sie mit literarischen Texten von bekannten Berliner und Kölner Dichterinnen, die auch ihr Land verlassen haben, allerdings 80 Jahre zuvor.

Die Texte von damals und die Töne von heute werden gegeneinander gestellt, parallelisiert und miteinander verwoben. Zeit, Raum und Kontext verschwinden, wenn die Frauen erzählen: Vom Einsatz für Meinungsfreiheit, aus dem Gefängnis sowie dem Verlust von Familie, Freunden und Heimat.

“Wie wenig sich verändert hat”, denkt man, wenn man Gülay über ihr Leben heute in Köln erzählen hört und noch Irmgard Keuns Tagebuchnotiz über die Schwierigkeiten im Exil der 30er Jahre im Ohr hat.

Die Flucht rettet ihr Leben – damals wie heute. Wirklich frei fühlen sich die meisten nicht. Trotzdem lässt Gülay sich Lebenswille und Stärke nicht nehmen: “Das Leben, dass das so schwer ist, mache ich mir aber nicht als Fußkette an meinen Fuß dran, dass es mich hindert zu leben.”

 

Arbeitsproben:

Feature-Element, Beispiel-O-Töne der türkischen Frauen: